Bremen fordert Arbeitskräfte
aus Auschwitz

Um den Bau von Behelfsheimen für ausgebombte und „volksdeutsche“ Familien zu fördern, bietet der Sonderbeauftragte für das deutsche Wohnungshilfswerk in Berlin am 22. Mai 1944 Arbeitskräfte an. Verschiedene Volksgruppen sind zur Arbeit vorgesehen, unter ihnen auch ungarische Juden. Diese dürfen nur im Konzentrationslager untergebracht werden.
Am 12. August 1944 fordert der Bremer Senator für das Bauwesen rückwirkend zum Monatsbeginn 800 weibliche Häftlinge an. Der Auftrag wird über das KZ Neuengamme
Quelle: Staatsarchiv Bremen 4,29/1-1307.
an das SS-Wirtschaftsverwaltungshauptamt (WVHA) in Oranienburg bei Berlin weitergeleitet. Das ist das zentrale wirtschaftliche Management aller Konzentrationslager. Die Frauen sollen bis auf weiteres im Behelfswohnungsbau eingesetzt werden.
Ankunft eines Häftlingstransportes aus Ungarn im KZ Auschwitz im Frühjahr 1944 - Foto eines SS-Mannes. Quelle: Bundesarchiv Koblenz - Die Beschriftung wurde für den Frankfurter Auschwitz-Prozess vorgenommen.
Plan des KZ Auschwitz-Birkenau
Quelle: Lorenz Sichelschmidt, Mala – Ein Leben und eine Liebe in Auschwitz, Bremen 1995, S. 60
         
Am 15. Juni 1944 kommen in einem Transport die 500 ungarischen Jüdinnen in Auschwitz an, die später nach Bremen deportiert werden. Sie überleben die Selektion auf der Rampe. Als Deposit erhalten sie eine an der Kleidung befestigte Nummer, jedoch keine Tätowierung. Für die arbeitsfähigen Jüdinnen aus Ungarn sind die Lager BIIc und BIII vorgesehen. Hier warten sie wochenlang als Deposit auf die SS-Entscheidung über ihren Einsatz in den Arbeitslagern des deutschen Reiches.
Arbeitskräfteanforderungen aus Bremen und anderen Orten führen am 29. Juni 1944 zu einer erneuten Selektion. Zur selben Zeit fährt eine SS-Begleitmannschaft unter dem Kommando von Johann Hille von Bremen nach Auschwitz, um zunächst 500 ungarische KZ-Häftlinge nach Bremen zu holen. Am 2. August 1944 treffen die Ungarinnen in der Hansestadt Bremen ein: junge Frauen und Mädchen, einige sind erst 14 Jahre alt.
Selektion ungarischer Juden im Mai 1944
Quelle: Gedenkstätte Yad Vashem