Todesmarsch nach Bergen-Belsen & Beifreiung

     
 

Das Inferno

Als sich britische Truppen Bremen nähern,werden in der Nacht vom 7. April 1945 die Frauen der Außenkommandos Obernheide und Uphusen in das KZ Bergen-Belsen gebracht. Sie werden in eine Baracke des völlig überfüllten Großen Frauenlagers gepreßt. Weitere Transporte treffen in den folgenden Tagen aus anderen Außenlagern der Konzentrationslager Neuengamme und Mittelbau-Dora ein. Die SS läßt seit dem Beginn des Massensterbens im Februar und März 1945 immer mehr Leichen auf dem Lagergelände und in den Baracken liegen, da es in Bergen-Belsen keine großen Krematorien gibt, in denen die Leichen verbrannt werden können. Allein im März 1945 starben in Bergen-Belsen 18.168 Häftlinge. Kurz vor der Übergabe des Lagers an die Engländer, befiehlt die SS zwischen dem 11. und 14. April ca. 2.000 völlig entkräfteten Häftlingen, die Leichen zu Massengräbern zu schleppen.
Im Frühjahr stehen für 20.000 bis 25.000 Gefangene genauso viele Toiletten und Waschräume zur Verfügung, wie ein Jahr zuvor für 2.000 Menschen. Das Lager verschmutzt zunehmend. Viele an Durchfall erkrankte Häftlinge verrichten ihre Notdurft dort, wo sie sich gerade befinden. Im Winter 1944/45 brechen Seuchen aus: Bauchtyphus, Ruhr (Dysenterie) und Tuberkulose. Lilly infiziert sich im Kleinen Frauenlager noch am Tag der Befreiung mit Typhus.
   
   

       
 
Quelle: Imperial War Museum, London
       

Die Befreiung

Am 15. April 1945 befreit die britische Armee noch vor dem offiziellen Kriegsende am 8. Mai etwa 60.000 Häftlinge des Konzentrationslagers Bergen-Belsen.
Am Sonntag, den 15. April, verkünden britische Soldaten über einen Lautsprecherwagen in mehreren Sprachen die Befreiung des KZ Bergen-Belsen und versprechen Lebensmittel und ärztliche Hilfe. Doch zunächst mußten sich die britischen Truppen in Bergen-Belsen, die nur aus einigen Dutzend Soldaten bestehen, einen Eindruck vom Zustand des Lagers verschaffen.
Der Arzt Glyn Hughes notiert: "Die Zustände im Lager waren wirklich unbeschreiblich; kein Bericht und keine Fotografie kann diese grauenvollen Bilder außerhalb der Baracken wiedergeben, und die schrecklichen Szenen in den Baracken waren noch viel schlimmer.
Überall im Lager befanden sich Leichenstapel verschiedener Höhe, einige außerhalb des Stacheldrahts, andere innerhalb zwischen den Baracken. In den einzelnen Lagerabteilungen lagen überall menschliche Körper herum. Die Gräben der Kanalisation waren mit Leichen gefüllt, und in den Baracken selbst lagen zahllose Tote, manche zusammen mit den Lebenden auf einer einzigen Bettstelle..." (Kolb, Eberhard: Bergen-Belsen, Hannover 1962, S. 157 f.)
Da die britische Armee nicht auf eine solche Situation vorbereitet ist, dauert das Heranschaffen von geeigneter Nahrung länger als die vom Hungertod bedrohten Häftlinge hoffen. Erst am nächsten Tag erhalten sie Trinkwasser und eine Abendmahlzeit aus Konserven der Truppenverpflegung.
Das Hauptproblem für die Engländer ist neben der Versorgung der Überlebenden die Bestattung der Toten. Mehrere tausend Leichen liegen im Freien, erst am 17. April kann man mit ihrem Begraben beginnen. Am 25. April verpflichten die Engländer auch das inhaftierte SS-Personal, die im Lager liegenden Leichen in Massengräbern zu beerdigen. Infolge des fortgesetzten Massensterbens steigt die Anzahl der Toten stetig. Viele "Frauen von Obernheide" sterben noch. Vom 15. April bis zum 20. Juni 1945 kommen noch 13.944 Menschen durch die Folgen ihrer Haft ums Leben.



Leichenberg Quelle: Imperial War Museum, London
Die Gesamtzahl der Opfer des KZ Bergen-Belsen wird auf etwa 50.000 geschätzt. In riesigen Massengräbern, zum Teil unter Einsatz von Bulldozern, beseitigen die Engländer die Leichenberge.
Innerhalb kurzer Zeit beschaffen die Briten Nahrungsmittel, legen Wasserleitungen, bauen

sanitäre Anlagen und versorgen die Überlebenden. Am 21. Mai brennen sie in einem symbolischen Akt die letzten Häftlingsbaracken nieder, auch um eine weitere Ausbreitung der Seuchen zu verhindern.

 

"Kasernenstadt"

 

Im Kasernenkomplex des Truppenübungsplatzes Bergen-Hohne der Deutschen Wehrmacht, etwa 3,5 km vom KZ Bergen-Belsen entfernt, wird in aller Eile das “Bergen-Belsen D.P. Hohne Camp” eingerichtet. Brigadegeneral H.L. Glyn Hughes läßt eine Krankenstation aufbauen. Lilly bezeichnet das Lager als “Kasernenstadt”. Nach der Befreiung quartiert man die Überlebenden, nach einer zunächst provisorischen Einrichtung eines Lazaretts, ein. Am 18. April bringt man die ersten 500 Fleckfieberkranken ins Lazarett.
Die medizinische Versorgung ist schlecht. Impfstoffe, geeignete Medikamente, Anti-Lause-Pulver für die Typhusbekämpfung sowie Desinfektionsmittel waren nicht in ausreichender Menge vorhanden. Englische Sanitätseinheiten, ungarische und deutsche Kriegsgefangene sowie Freiwillige helfen im Krankenhaus.

 

Quelle: Imperial War Museum, London