Außenlager Obernheide

Das Lagergelände

Nachdem die Unterbringung der Frauen in der zerstörten Hindenburgkaserne in Bremen nicht mehr möglich ist, bringt die SS am Abend des 26.September 1944 die Frauen ins Lager Obernheide in der Gemeinde Hasbergen (heute Stuhr). Seit Monaten stehen die Gebäude leer und sind nicht für die Aufnahme der 800 Frauen vorbereitet. Das Lager ist auf einem Wiesengelände erbaut, umrahmt von Pappelreihen, Weiden und Bauernhäusern. Das Areal ist ca. 150m lang, 70m breit und von Stacheldraht umzäunt. Hinter dem Eingangsbereich mit den SS-Baracken und der Küche befindet sich der Appellplatz, umgeben von zwei Häftlingsbaracken und einer Wirtschaftsbaracke mit dem Krankenrevier.
1. Häftlingsbaracken
2. Krankenrevier
3. SS-Wachmannschaften
4. Lagerkommandant
5. SS-Eßsaal
6. Küche
7. Lagerkommandant
8. Lagerwächter
9. SS-Latrine
10. Waschbaracke
11. Latrine
12. SS-Wachhaus und Lager
13. Splittergräben
14. Stacheldrahtzaun
Amerikanische Luftaufnahme des Lagers Obernheide; März 1944; Quelle: StA Bremen 10,B

 

Der Alltag der Frauen

Die Frauen werden um vier Uhr morgens geweckt. Sie verlassen das Lager im Dunkeln und kehren im Dunkeln wieder zurück. In langen Reihen marschieren sie zum Bahnhof in Stuhr. Von dort fahren sie mit der Thedinghauser Kleinbahn in die Bremer Neustadt, wo sie entweder zu Fuß zum Einsatzort gehen oder mit offenen Lastwagen transportiert werden. Seit dem 13. Dezember 1944 stehen für den Transport der Frauen nach Bremen wegen der Zerstörung keine Züge mehr zur Verfügung. Die Frauen müssen noch früher aufstehen, um die sechzehn Kilometer nach Bremen zu marschieren. Morgens werden die Frauen in verschiedene Kommandos eingeteilt. Diese tragen den Namen der jeweiligen Baufirma und werden von einer SS-Aufseherin, einem SS-Wachmann und einem Polier beaufsichtigt.

 

Unterbringung und Verpflegung

Die 800 Zwangsarbeiterinnen werden in zwei Holzbaracken untergebracht, die eigentlich nur Platz für 260 Personen bieten. Die Baracken sind in Zimmer unterteilt, wovon jedes mit schmalen Doppelbetten, jeweils drei übereinander, ausgestattet ist. Die Frauen müssen auf Strohsäcken schlafen. Jede von ihnen hat nur etwa einen Meter Platz zur Verfügung und somit ist es nachts zwar warm, aber gleichzeitig auch bedrückend eng. Das Essen ist spärlich: Kaffee, nach dem Abendappell Kohlsuppe, selten etwas Fleisch und eine Scheibe Brot. Die Kleidung ist schlecht. Es gibt nur Holzschuhe.

Bau der Baracken des ursprünglichen Arbeitslagers auf den Wiesen des Bauern Hans Katenkamp in Obernheide;1939; Quelle: Besitz der Familie Röpke aus Bremen

Hunger, Erschöpfung, Arbeitsunfälle und die schlechten hygienischen Zustände im Lager führen häufig zum Tod. Sechs der umgekommenen Frauen werden auf dem Riensberger Friedhof in Bremen begraben.
Auch Kinder werden im Lager geboren. Ihre Spuren verlieren sich auf dem Weg ins KZ Bergen-Belsen.