Deutsch - ungarisches Schulprojekt

   

Zusammenarbeit mit dem Mora-Gymnasium
in Györ/Ungarn

Synagoge in Györ, 1999

Freundschaftliche Beziehungen zwischen der Gemeinde Stuhr und der Stadt Györ bestehen seit Anfang der neunziger Jahre. Von der gemeinsamen NS-Vergangenheit erfuhr man erst später. Aus Györ wurden 1944 mehr als zehn Frauen nach Obernheide deportiert. Heute wohnen die Frauen auf der ganzen Welt verteilt. Gemeinsam schrieben die ungarischen und deutschen Schüler den Frauen und baten um ihre Erinnerungsberichte. Die ungarischen Schüler recherchierten im Stadtarchiv, bei der Presse und in Bibliotheken und schickten ihre Ergebnisse nach Brinkum, die für das Buchprojekt verarbeitet wurden.
   

Györer Synagoge als Teil des europäischen Kulturerbes

Die jüdische Gemeinde von Györ beschloss 1861 den Bau einer Schule und einer Synagoge. Der Magistrat der Stadt unterstützte diese Entscheidungen – noch vor dem Emanzipationsgesetz von 1867, das Christen und Juden die gleichen Rechte zubilligte. Schon im September 1870 wurde die Synagoge eingeweiht. Doch siebzig Jahre später zerstörte der Holocaust die große jüdische Gemeinde in Györ - die Synagoge zerfällt. Die Zahl der Juden in Györ ging von 4688 Personen (8,2% der Einwohner) 1941 auf 950 Personen /1,5 % der Einwohner) 1946 zurück. 1968 kaufte die Stadt gegen eine symbolische Summe das Gebäude. Anfang der 90er Jahre setzte sich die Stiftung „Für die Györer Synagoge“ für eine Renovierung ein, da sie zum europäischen Kulturerbe ernannt wird. Das Dach ist inzwischen vollständig renoviert. Heute finden in dem „Tempel der Künste“ kulturelle Veranstaltungen wie Konzerte, Theater und Ausstellungen statt.

 

Gedenkfeier ungarischer und deutscher Schüler am Mahnmal Obernheide, 1999

Buchprojekt „Lilly Kertesz“

Schüler der KGS Stuhr-Brinkum nahmen zu Frau Kertesz Kontakt auf und der DONAT-Verlag in Bremen veröffentlichte ihren Erinnerungsbericht mit einer Dokumentation der Schüler. Ende Mai 1999 kam Lilly Kertesz mit ihrer Tochter Judith nach Brinkum. Mit Schülern der KGS und ungarischen Schülern des Mora-Gymnasiums in Györ ging sie den Weg vom alten Stuhrer Bahnhof zum Mahnmal Obernheide, den die "Frauen aus Obernheide" jeden Tag hatten zurücklegen müssen. Für die ungarischen Schüler war es das erste Mal, dass sie eine Jüdin aus ihrer Heimat kennen lernten, die ihnen in ungarischer Sprache von den Leidensorten berichten konnte.
Lilly Kertesz mit ungarischen Schülern