Kommunale Wärmeplanung
Die Kommunale Wärmeplanung beinhaltet eine systematische und Analyse und Evaluierung der Wärmeversorgung der Gemeinde mit dem Ziel, den Energieverbrauch in der Wärmeversorgung zu senken und die Versorgung von fossilen auf erneuerbare Energien umzustellen.
Kommunale Wärmeplanung als strategisches Konzept
Die Kommunale Wärmeplanung ist ein strategisches Konzept, welches allen beteiligten Akteuren sowie den Bürgerinnen und Bürgern einen Leitfaden und eine Wissensbasis bereitstellt, die eine sinnvolle, effiziente und kostengünstige Implementierung notwendiger Maßnahmen bei nachfolgenden konkreten Planungs- und Investitionsvorhaben in die Hand gibt.
Die Erstellung des Kommunalen Wärmeplans umfasst die Schritte Bestandsanalyse, Potentialanalyse, Szenarienberechnung. Die erzielten Ergebnisse münden in der Ableitung einer Handlungsstrategie sowie der Entwicklung erster Maßnahmen.
Bedeutung der Kommunalen Wärmeplanung
Die kommunale Wärmeplanung hat eine zentrale Bedeutung für den Erfolg der Energiewende, da der Wärmesektor etwa die Hälfte des Endenergieverbrauchs in Deutschland ausmacht. Da viele Gebäude noch mit fossilen Brennstoffen beheizt werden, ist der CO₂-Ausstoß in diesem Bereich hoch. Eine Wärmeversorgung auf der Grundlage von erneuerbaren Energien, unvermeidlicher Abwärme und Umweltwärme (einschließlich Erdwärme) kann daher maßgeblich zur Erreichung der Klimaziele beitragen.
Besonders in dicht besiedelten Gebieten bietet die kommunale Wärmeplanung die Möglichkeit, durch gemeinschaftliche Lösungen, wie den Ausbau von Wärmenetzen oder die Nutzung industrieller Abwärme, erhebliche Effizienzgewinne zu realisieren. Gleichzeitig werden soziale Aspekte, wie die Bezahlbarkeit von Wärme, berücksichtigt.
Insgesamt ist die kommunale Wärmeplanung ein Schlüsselinstrument, um die Energiewende auf lokaler Ebene voranzutreiben und die Wärmeversorgung in Städten und Gemeinden zukunftsfähig zu machen.
Der Stuhrer Wärmeplan
Der Rat der Gemeinde Stuhr hat am 10. Dezember 2025 den Stuhrer Wärmeplan beschlossen.
Diesen finden Sie hier zum Download.
Der Wärmeplanungsprozess mit seinen Analyseschritten Bestandsanalyse, Potenzialanalyse und Szenarienberechnung zeigt im Ergebnis die Option von Wärmenetzen für 60 Gebiete. Damit weisen ca. 25 % der Gebäude eine hohe bis moderate Eignung zu Wärmeversorgung durch ein Wärmenetz aus. Diese 60 Wärmenetzeignungsgebiete (Begrifflichkeit nach Wärmeplanungsgesetz des Bundes) stehen mit 27.370 t CO2eq/a für 26,6% der gesamten Treibhausgasemissionen aller Gebäude im Gemeindegebiet. Die Gemeinde wird künftig im Austausch mit den Bürgerinnen und Bürger für den Begriff der Wärmenetzeignungsgebiete den Begriff Wärmenetzprüfgebiet verwenden, da die Eignung von Quartieren für den Bau Wärmenetze durch Vorstudien und Machbarkeitsstudien tiefergehend zu prüfen sein wird.
Für 75 % der Gebäude (73,4 % der Emissionen) ist damit ebenfalls ermittelt, dass eine dezentrale, individuelle klimaneutrale Wärmeversorgungslösung durch die Immobilienbesitzer*innen umzusetzen sein wird. Für die Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen wird die Gemeinde hierfür eine internetgestützte Plattform aufbauen, die auf Informationsangebote der Verbraucherzentrale und der Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen und der BAFA-Energieeffizienzexperten verweist, um eine klimaneutrale Wärmeversorgung kosteneffizient und fachlich optimiert planen und umsetzen zu können. Die Gemeinde unterstützt den Informationsprozess durch Fachveranstaltungen.
Um die Realisierung von Wärmenetzen durch die Gemeinde zu unterstützen und deren Machbarkeit zu prüfen, werden hier nachfolgend fünf erste Maßnahmenvorschläge formuliert, die den Wärmeplanungsprozess zur Umsetzung einer klimaneutralen Wärmeversorgung bis 2040 einleiten und strukturieren. Sie werden in einem jeweils eigenen Maßnahmenblatt beschrieben.
Stuhrer Online-Wärmekataster
Die kartenbasierten Ergebnisse des Stuhrer Wärmeplans können Sie über das Stuhrer Wärmekataster einsehen.
Gebiete für dezentrale/individuelle Wärmeversorgung sowie Wärmenetzprüfgebiete
Die 60 ermittelten Wärmenetzprüfgebiete weisen unterschiedliche Voraussetzungen für die wirtschaftliche Umsetzung von Wärmenetzen aus. Netzbetreiber und potentiell an der Realisierung von Wärmenetzen Interessierte müssen sorgfältige Planungsprozesse verlaufen.
Die Gemeinde wird hierfür über den beschlossenen Maßnahmenkatalog (siehe Aufklappmenü "Beschlossene strategische Maßnahmen) den Prozess unterstützen.
Nachfolgende Karte weist in grüner Farbe Gebiete aus, für die mit hoher Wahrscheinlichkeit eine individuelle Wärmeversorgung am wirtschaftlichsten ist. In roter Einfärbung sind die 60 Wärmenetzprüfgebiete ausgewiesen für die die Wirtschaftlichkeit durch Netzbetreiber oder interessierte Gruppen (Bürgerenergiegenossenschaften, nachbarschaftliche Gemeinschaften o. ä.) zu prüfen sein wird.
Informationsangebot für dezentrale Wärmeversorgungslösungen
Für die Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen wird die Gemeinde hierfür eine internetgestützte Plattform aufbauen, die auf Informationsangebote der Verbraucherzentrale und der Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen und der BAFA-Energieeffizienzexperten sowie weiterer Fördermittelquellen verweist, um eine klimaneutrale Wärmeversorgung kosteneffizient und fachlich optimiert planen und umsetzen zu können. Die Gemeinde unterstützt den Informationsprozess zukünftig durch Fachveranstaltungen. Bereits jetzt können Sie sich auf der Seite Energieberatung Privathaushalte hier weiter informieren.
Handlungsstrategie und erste Maßnahmen
Der Rat nach den Vorgaben des Niedersächsischen Gesetzes zur Förderung des Klimaschutzes und zur Minderung der Folgen des Klimawandels (Niedersächsisches Klimagesetz - NKlimaG) § 21 Abs.5 nachfolgende Handlungsstrategie sowie erste 5 Maßnahmen beschlossen. Die Maßnahmen gründen auf den Ergebnissen des kommunalen Wärmeplans und dienen dem strategischen Einstieg zur Erreichung einer klimaneutralen Wärmebereitstellung im Gebäudebestand.
Handlungsstrategie:
Das Handlungsziel der Gemeinde Stuhr ist der schnellstmögliche Ausstieg aus der fossilen Wärmeversorgung. Dabei sollen aber weder Bürgerinnen und Bürger noch Unternehmen durch die Gemeinde Stuhr gezwungen werden ihre bestehende Wärmeversorgung auf eine CO2-neutrale Wärmeversorgung umzustellen. Für Neubaugebiete schließt die Gemeinde Stuhr aber bereits mittels der Bebauungspläne die fossile Wärmeversorgung aus.
Die Strategie zur Zielerreichung ist, dass sich die Gemeinde Stuhr dort für die Errichtung von CO2- neutralen Wärmenetzen einsetzt oder für die Dekarbonisierung bestehender Wärmenetze, wo dies ökologisch und ökonomisch sinnvoll ist. Dabei beabsichtigt die Gemeinde Stuhr überwiegend nicht, solche Wärmenetze selbst zu errichten oder zu finanzieren, weil eine solche Aufgabenübernahme für eine Gemeinde von der Größe der Gemeinde Stuhr nicht realisierbar ist. Die Gemeinde Stuhr will sich aber gegenüber den großen Energieversorgern deutlich dafür einsetzen, solche CO2-neutralen Wärmenetze dort so schnell wie möglich zu errichten, wo dies ökologisch und ökonomisch realistisch erscheint, und zwar in Wohn- und Gewerbegebieten.
Ferner will die Gemeinde Stuhr Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen beraten, wie sie selbst-organisiert, z.B. durch Gründung von Genossenschaften, z.B. für ihren Straßenzug, gemeinsam mit anderen Bürgerinnen und Bürger und/oder Unternehmen kleine Wärmenetze entwickeln und betreiben können und wo dies ökologisch und ökonomisch sinnvoll erscheint. Gegebenenfalls wird die Gemeinde Stuhr hierfür auch Flächen zur Verfügung stellen, sofern dies möglich ist.
Darüber hinaus will die Gemeinde Stuhr in Bezug auf gemeindeeigene Immobilen als Vorreiter vorangehen und deren Sanierung im Hinblick auf Wärmeeinsparung vorantreiben und - so schnell wie ökologisch und ökonomisch sinnvoll - auf eine CO2-neutrale Wärmeversorgung umstellen, auch weil dies insbesondere mittel- und langfristig den Haushalt der Gemeinde Stuhr entlasten wird und somit einen verantwortungsvollen Umgang mit Steuergeldern darstellt.
Die Gemeinde Stuhr will aber auch transparent und ehrlich gegenüber ihren Bürgerinnen und Bürgern sein und Steuergelder und Ressourcen für die CO2-neutrale Wärmeversorgung nur da einsetzen, wo dies sowohl ökologisch als auch ökonomisch sinnvoll ist und auch nur da agieren, wo kommunales Handeln erforderlich ist, weil es keine Unternehmen oder Institutionen gibt, die diese Aufgabe bereits wahrnehmen.
Daher weist der kommunale Wärmeplan aus, wo es räumlich ökonomisch nicht sinnvoll erscheint, dass gemeinschaftliche Lösungen für eine zentrale Wärmeversorgung entwickelt werden. Hier erscheint es für die Betroffenen ökonomischer, dass Haushalte oder Unternehmen die CO2-neutrale Wärmeversorgung selbst (dezentral) realisieren z.B. mittels Luft-Wärme-Pumpen. Für diese Fälle wird die Gemeinde Stuhr, neben der Ausweisung dieser Orte, auch keine Beratungsleistung anbieten, da diese durch Verbraucherzentralen und Energieberatung bereits sehr versiert und zum Teil kostenneutral angeboten werden.
Beschlossene strategische Maßnahmen
- Verhandlungen mit Netzbetreibern zur Realisierung von Wärmenetzen in geeigneten Ortsteilgebieten sowohl für Wohngebäude als auch für Gewerbeflächen
- Begleitung des Dekarbonisierungsvorhabens des Netzbetreibers im bestehenden Wärmenetzgebiet BRISECK durch die Gemeindeverwaltung
- Prüfung / Planung und ggf. Realisierung eines Wärmenetzes in Kooperation mit weiteren Nutzern für den neuen Ortskern Stuhr als „Musterprojekt“
- Beratungsangebot für die Gründung von Bürgerenergiegenossenschaften, Interessengemeinschaften und Unternehmenszusammenschlüsse
- Umstellung der Liegenschaften der Gemeinde Stuhr auf CO2-neutrale Wärmeversorgung und Sanierung zur Absenkung der Energieverbräuche
Datenschutzerklärung zur kommunalen Wärmeplanung
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