Stolpersteine
Verlegung der Stolpersteine in der Gemeinde Stuhr
Holocaust
Mehr als 13 Millionen Menschen wurden im Verlauf des Zweiten Weltkriegs von Deutschen in Europa getötet, darunter alleine rund sechs Millionen Jüdinnen und Juden, über drei Millionen sowjetische Kriegsgefangene sowie hunderttausende Sinti und Roma, körperlich oder geistig Behinderte und Zwangsarbeiter*innen. Das NS-Regime verfolgte auch im heutigen Landkreis Diepholz eine rassistische Politik, die auf die Unterdrückung, Verfolgung und Deportation von Minderheiten zielte und eine systematische Tötung zur Folge hatte.
Obernheide
In Stuhr war das damalige KZ-Außenlager Obernheide Teil des Arbeits- und Vernichtungslager-Systems des NS-Regimes. Es war das Außenlager des Konzentrationslagers Neuengamme. Mit rund 100.000 Häftlingen war Neuengamme im Frühjahr 1945 das flächenmäßig größte norddeutsche Konzentrationslager, dessen umfangreiches Lagersystem sich von Salzgitter im Süden bis zu dänischen Grenze erstreckte.
Von Obernheide aus deportiert nach Auschwitz und Bremen, erlitten hier 500 ungarische und 300 polnische Jüdinnen Demütigungen und Qualen, Hunger und Tod. In Lagerbaracken zusammengepfercht und als Zwangsarbeiterinnen zu Trümmerräumungsarbeiten und in Betonsteinwerke nach Bremen getrieben, getreten und geschlagen, ausgehungert und entkräftet, starben hier, die teils noch sehr jungen Frauen an den von ihnen erlittenen Qualen.
Stolpersteine
Zur Aufarbeitung und gegen das Vergessen an diese Zeit, wurden in der Gemeinde Stuhr am 3. Juni 2025 zwei Stolpersteine verlegt.
Die STIFTUNG – SPUREN – Gunter Demnig hat es sich zum Ziel gemacht, mit den Stolpersteinen das individuelle Gedenken an die NS-Opfer ermöglichen. Die Nationalsozialisten versuchten, die Opfer zu Zahlen zu reduzieren und ihre Erinnerung auszulöschen. Der Künstler Gunter Demnig kehrt diesen Prozess bewusst um, um die Namen der Opfer wieder an die Orte ihres Lebens zurück zu bringen und an sie zu erinnern.
Die Stolpersteine sind ein dezentrales Mahnmal, das alle Passanten erinnert, dem grauenhaften Schicksal der Millionen Menschen zu gedenken. Die Stolpersteine werden alle handgefertigt: die Namen der Menschen sind in ein Messingblech eingeschlagen, in Beton gegossen und auf dem Gehweg des Ortes als dauerhafte Erinnerung sichtbar gemacht und damit in den Alltag integriert. Bislang liegen 116.000 Stolpersteine in über 1860 Kommunen in 31 europäischen Ländern, die meisten davon in Deutschland.
Zeichen gegen das Vergessen
Die Gemeinde Stuhr möchte mit der Verlegung der Stolpersteine für Rosette Martha Löwenstein und Mariechen Franz ein sichtbares Zeichen gegen das Vergessen setzen. Diese beiden Menschen waren Bürgerinnen der Gemeinde und wurden Opfer eines menschenverachtenden Regimes. Damit stehen ihr Leben und ihr Leiden stellvertretend für Millionen weiterer Schicksale.
Es ist die Verantwortung aller, ihr Andenken wachzuhalten und die Erinnerung in die Gegenwart zu tragen. Erinnerung darf kein einmaliges Ereignis sein, sondern muss dauerhaft Teil eines gesellschaftlichen Bewusstseins bleiben – gerade in einer Zeit, in der Ausgrenzung, Antisemitismus und Rassismus wieder lauter werden. Die Stolpersteine mahnen alle, wachsam zu bleiben und für eine offene, respektvolle und demokratische Gesellschaft einzustehen.
Verlinkungen
STIFTUNG – SPUREN – Gunter Demnig: Startseite | Stolpersteine
Jüdsche Regionalgeschichte im Landkreis Diepholz
Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen K.d.ö.R
Zentralrat Deutscher Sinti und Roma
Hartmut Müller „Löb Simon Cohn und andere Juden in Brinkum“, Bremen 1990
Dr. Hans Hesse Mariechen Franz – „[…] die Ausscheidung aus der Volksgemeinschaft auf die eine oder andere Weise […]“ | Spurensuche-Bremen
Kreismuseum Syke: Verfolgt. Entrechtet. Ausgegrenzt.
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