Marktplatz Brinkum - Neuzeitlicher BrunnenrestDie von der Gemeinde Stuhr beauftragte Fachfirma ArchaeNord aus Bremen begleitet die Arbeiten archäologisch und dokumentiert die Funde direkt vor Ort. Dabei konnten mehrere Mauerreste und Strukturen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts nachgewiesen werden. Nach bisherigen Erkenntnissen handelt es sich um Überreste ehemaliger Gebäude, die etwa zwischen 1867 und 1916 errichtet wurden.
Bereits historische Karten der sogenannten Preußischen Landesaufnahme, die zwischen 1877 und 1912 erstellt wurde, deuteten auf frühere Bebauung in diesem Bereich hin. Die aktuellen Grabungen bestätigen nun diese historischen Hinweise.
Das Baufeld wird abschnittsweise untersucht. Im westlichen Bereich des zukünftigen Marktplatzes stießen die Fachleute bei Arbeiten für die geplanten Sicherheitspoller bereits ab einer Tiefe von rund 70 Zentimetern auf Mauerreste. Weitere Funde traten im Bereich der zukünftigen Baumstandorte auf. Im östlichen Teil des Platzes wurde für die technische Infrastruktur des Marktplatzes eine bis zu 3,3 Meter tiefe Baugrube erforderlich. Dort dokumentierten die Archäologinnen und Archäologen unter anderem die Reste eines neuzeitlichen Brunnens sowie weitere Mauerstrukturen. Die archäologische Baubegleitung erfolgt parallel zu den Bauarbeiten. So können mögliche Funde unmittelbar untersucht, vermessen und dokumentiert werden. Dies ist von besonderer Bedeutung, da archäologische Überreste unwiederbringliche Zeugnisse der Geschichte darstellen. Ihr wissenschaftlicher Wert liegt vor allem im Zusammenhang des Fundortes und der Lage im Boden.
Nach aktuellem Stand besitzen die entdeckten Strukturen keinen materiellen Wert. Vermutet wird, dass es sich um Überreste von Gebäuden handelt, die höchstwahrscheinlich während des Zweiten Weltkriegs zerstört wurden. Die archäologische Begleitung ist fester Bestandteil der Arbeiten und wurde frühzeitig eingeplant. Gleichzeitig erfüllt die Gemeinde Stuhr damit ihre gesetzlichen Verpflichtungen nach dem Niedersächsischen Denkmalschutzgesetz und leistet einen Beitrag zur historischen Forschung.
Die gewonnenen Dokumentationen werden im Anschluss durch das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege in Hannover ausgewertet und in Geoinformationssysteme aufgenommen. Dadurch bleiben die Erkenntnisse dauerhaft erhalten und stehen künftig auch für weitere wissenschaftliche und planerische Zwecke zur Verfügung. Mit den archäologischen Untersuchungen wird deutlich: Der neue Marktplatz Brinkum verbindet nicht nur moderne Ortsentwicklung mit hoher Aufenthaltsqualität, sondern macht zugleich ein Stück bislang verborgener Ortsgeschichte sichtbar.