Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger informierten sich am 18. Februar über den kommunalen Wärmeplan und nutzten die Gelegenheit zum Austausch und zur Diskussion.© Gemeinde StuhrDurch den Abend führten Bürgermeister Stephan Korte und Wirtschaftsförderer Peer Beyersdorff, die die Ergebnisse des Wärmeplans verständlich einordneten und einen klaren Überblick über die nächsten Schritte gaben. Von Beginn an wurde deutlich: Das Thema bewegt viele Menschen in Stuhr und der Wunsch nach verlässlicher Information ist groß.
Zwischen 17 und 19 Uhr wurde ein vielfältiges und inhaltlich aufeinander aufbauendes Vortragsprogramm präsentiert. Zunächst wurden die Ergebnisse des Stuhrer Wärmeplans durch Lucas Bender von IP Syscon GmbH und Jörg Krywkow vom Ingenieurbüro Energie.Klima.Plan. GmbH erläutert.
Der Stuhrer Wärmeplan zeigt, dass für über dreiviertel der Immobilien weiterhin eine dezentrale Einzelfeuerung die am wirtschaftlichsten Versorgungslösungen wird. Darüber hinaus wurden 60 Gebiete identifiziert, die ein Potential für einen wirtschaftlichen Betrieb eines Wärmenetzes aufweisen (Wärmenetzprüfgebiete). Welche Gebiete welches Potential tragen, kann über das Stuhrer Online-Wärmekataster eingesehen werden.
Hier wurde der erhobene Datenschatz aus Gebäudetypen, -alter und –nutzung mit Daten der Energieversorgung u.v.a.m. zusammengeführt und in vielfältigen Kartendarstellungen aufbereitet. Dieser Datenschatz steht der Öffentlichkeit ab sofort über das Online-Wärmekataster auf der Seite des Klimaschutzmanagements zur Verfügung. Über die Adresseingabe kann das eigene Gebäude mit weiteren Angaben identifiziert werden. Die Daten sind dabei in aggregierter Form aufbereitet, um die datenschutzrechtlichen Vorgaben zu erfüllen.
Referenten von links: Philipp Metz (Genossenschaft ErdwärmeDich), Mirko Jahn (Energieberater der Verbraucherzentrale), Jörg Krywkow (Ingenieurbüro Energie.Klima.Plan. GmbH) sowie Lucas Bender (IP Syscon GmbH)© Gemeinde Stuhr
Im Laufe des Abends wurde mehrmals klar herausgestellt, dass sich aus dem kommunalen Wärmeplan selbst keine unmittelbaren Handlungsverpflichtungen für Eigentümerinnen und Eigentümer ergeben. Verbindliche Vorgaben entstehen ausschließlich durch bundesgesetzliche Regelungen aus dem Gebäudeenergiegesetz (GEG).
Besonders intensiv diskutiert wurde die Frage, wie der Weg zum klimafreundlichen Heizen konkret aussehen kann. Niedersachsen verfolgt das Ziel, bis 2040 eine klimaneutrale Wärmeversorgung zu erreichen - bundesweit gilt das Jahr 2045. Entsprechend groß war das Interesse an Informationen zu gesetzlichen Rahmenbedingungen, energetischer Sanierung, Heizungstausch und Fördermöglichkeiten. Hierzu führte der Energieberater der Verbraucherzentrale, Herr Mirko Jahn prägnant und mit kurzen überschlägigen Kostenbetrachtungen für Gas und Strom aus, dass viele günstigere Optionen in Anschaffung und Betrieb für das Heizen umgesetzt werden können, als die uns vertrauten Gas- oder Ölkessel. Er verwies auf die Förderung der BAFA und der KfW, die zu Förderhöhen bis zu 70 % reichen können.
Einen Einblick, wie Wärmenetze durch Bürgerengagement geschaffen werden können gab Philipp Metz, Vertreter der Genossenschaft ErdwärmeDich Anergienetze eG. In Bremen setzt man hier auf kalte Nachwärme und kleine Wärmepumpen je Haushalt.
Die Klimaschutzmanagerin Evelyn Brudler betonte die Rolle der Moderation und der Unterstützung der Gemeinde Stuhr für die Bürgerinnen und Bürger.
Um die Bürgerinnen und Bürger mit Beratungsangeboten zu unterstützen, hat die Gemeinde deshalb ein vielfältiges Unterstützungs- und Informationsangebot zusammengestellt:
Mit Unterstützung der Verbraucherzentrale Niedersachsen entsteht ab 13. März 2026 im Reipschlägerhaus in der Bassumer Straße 10 in Brinkum ein Energieberaterstützpunkt. Hier erhalten Bürger*innen eine kostenlose Energieberatung. Die Beratungen finden regelmäßig an jeden zweiten und vierten Freitag im Monat statt.
Dieses Beratungsangebot ergänzt das seit Jahren durch den Verein Stuhr plus e. V. bestehende, ebenfalls kostenlose Energieberatungsangebot. Der Verein arbeitet hier mit dem Energie-Effizienzberater, Herrn Kühl eng zusammen. Der Verein Stuhr plus bearbeitet ebenfalls die Förderanträge zur Stuhrer Klimaschutzförderung.
Volles Rathaus zur Vorstellung des Kommunalen Wärmeplans© Gemeinde Stuhr
Der Einladung für diesen Abend waren auch die auf dem Gemeindegebiet ansässigen Energie-Effizienz-Experten (EEE) gefolgt, die für Fördermittel des Bundes für Sanierungsvorhaben benötigt werden.
Die Veranstaltung zeichnete sich durch eine bemerkenswerte Vielfalt an Beiträgen und Fragen aus. Viele Anliegen aus der Bevölkerung konnten direkt beantwortet werden, andere wurden offen aufgenommen und transparent eingeordnet. Der Austausch verlief sachlich, konstruktiv und auf Augenhöhe, ein deutliches Zeichen für das große Engagement der Stuhrerinnen und Stuhrer.
Im Anschluss an die Vorträge nutzten zahlreiche Bürgerinnen und Bürger die Gelegenheit zum persönlichen Gespräch mit Fachleuten der Verwaltung, mit Vertreterinnen und Vertretern von Stuhr plus e. V., dem Energieberater der Verbraucherzentrale Niedersachsen, der lokalen Energieeffizienzexperten sowie der Bürgerenergiegenossenschaft Weyhe e. V. und dem Vertreter der Energeiegenossenschaft ErdwärmeDich eG aus Bremen.
Auch das neue Online-Wärmekataster stieß auf großes Interesse und wurde rege am aufgebauten Monitor mit fachlicher Unterstützung erkundet.
Die Gemeinde Stuhr blickt mit großer Zufriedenheit auf einen rundum gelungenen Abend zurück. Die hohe Beteiligung, die differenzierten Fragen und die offene Atmosphäre haben gezeigt: Die Wärmewende ist ein Gemeinschaftsprojekt. Mit dem kommunalen Wärmeplan liegt nun eine strategische Grundlage vor, die Orientierung bietet und Transparenz schafft und die gemeinsam weiterentwickelt wird.
Ein herzlicher Dank gilt allen Beteiligten und Gästen für ihr Interesse, ihre Beiträge und den respektvollen Dialog.