„Die Martin-Luther-Kirche ist in Niedersachsen einzigartig, da sie das einzige sakrale Gebäude im Bundesland ist, das Otto Herbert Hajek vollständig gestaltet hat“, betont Dr. Ulrich Knufinke, Leiter der Abteilung Baudenkmalinventarisation und landesweite Spezialgebiete im Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege© Gemeinde StuhrDas Landesamt stützt seine Einschätzung auf eine umfassende denkmalfachliche Untersuchung. In dieser wird hervorgehoben, dass die Kirche ein seltenes und herausragendes Beispiel für den evangelischen Kirchenbau der 1960er Jahre darstellt. Der Entwurf des Stuhrer und später in Bremen ansässigen Architekten Gerhard Dunkhase und die künstlerische Gestaltung durch den international bekannten Künstler Otto Herbert Hajek greifen dabei auf außergewöhnliche Weise ineinander: Architektur und Kunst sind hier nicht getrennt, sondern bilden ein bewusst geschaffenes Gesamtkonzept.
Schon ihr Entstehungskontext macht die Kirche kulturhistorisch relevant: Sie ist Ausdruck der starken Bevölkerungsentwicklung Seckenhausens nach dem Zweiten Weltkrieg und der damit verbundenen räumlichen Veränderungen. Die Kirche steht somit beispielhaft für die Entwicklung eines Dorfes zur modernen, vorstädtischen Siedlung im Bremer Umland.
Architektonisch ist der Kirchenbau ebenso bedeutend. Der quadratische Grundriss, die ungewöhnliche diagonale Organisation von Eingang bis Altar, die Sichtbetonkonstruktion, das ansteigende Faltdach und die plastische Fassadengestaltung zeigen die Formensprache einer Zeit, in der Kirchenbau bewusst neue Wege ging. Die Innenraumgestaltung – mit Reliefs, Farbfeldern, Sichtbetonoberflächen und dem bewusst gesetzten Licht – ist Ausdruck einer künstlerischen Haltung, die den Raum als spirituelle und zugleich moderne Architektur begreift.
Der Bau ist bis heute nahezu unverändert erhalten: Weder die Raumstruktur noch die prägenden Gestaltungselemente wurden technisch oder gestalterisch überarbeitet. Dadurch lässt sich die ursprüngliche architektonische und künstlerische Konzeption weiterhin deutlich erkennen.© Gemeinde StuhrFür Niedersachsen ist die Martin-Luther-Kirche zudem einzigartig, da sie das einzige sakrale Bauwerk im gesamten Bundesland darstellt, das Otto Herbert Hajek vollständig gestaltet hat. Die konsequente Durchdringung von Baukörper und Kunst ist dabei zentral und macht sie zu einem seltenen Beispiel eines baulich-künstlerischen Gesamtkunstwerks.
Hinzu kommt der nahezu unveränderte Erhaltungszustand: Weder die Raumstruktur noch die maßgeblichen Gestaltungselemente wurden technisch oder gestalterisch überformt. Dadurch bleibt die ursprüngliche architektonische und künstlerische Idee bis heute nachvollziehbar. Auch aus wissenschaftlicher Sicht – etwa im Hinblick auf die Betontechnik, die Dachkonstruktion und die Farbfassung – besitzt die Kirche dokumentarischen Wert.
Die Gemeinde Stuhr sieht in der Eintragung daher nicht nur eine formale Anerkennung, sondern auch eine Bestätigung der identitätsstiftenden Rolle, die die Kirche für Seckenhausen hat.
Bürgermeister Stephan Korte erklärt dazu: „Dass die Martin-Luther-Kirche nun offiziell als Kulturdenkmal eingetragen wurde, ist eine wirkliche Bereicherung für unsere Gemeinde. Dieses Bauwerk ist weit mehr als ein Gotteshaus. Es dokumentiert ein Stück Ortsgeschichte, zeigt eine gestalterische Haltung seiner Zeit und erzählt, wie sich Seckenhausen entwickelt hat. Die Verbindung von Architektur und Kunst ist außergewöhnlich und über die Region hinaus beachtenswert.
Wir freuen uns, dass das Landesamt den besonderen Wert dieses Gebäudes anerkennt und damit bestätigt, was viele hier seit Jahrzehnten sehen: Diese Kirche steht für Identität, Geschichte und kulturellen Ausdruck. Der offizielle Denkmalstatus sorgt dafür, dass dieses Erbe gesichert wird und künftige Generationen nachvollziehen können, wie moderne Kirchenarchitektur in Stuhr gedacht und gebaut wurde.“ Die Gemeinde dankt dem Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege für die sorgfältige Bewertung des Kirchengebäudes. Die Eintragung stärkt das Bewusstsein für das kulturelle Erbe vor Ort und unterstreicht die Bedeutung der Martin-Luther-Kirche für Seckenhausen und Stuhr insgesamt.
Info zu PD Dr.-Ing. habil. Ulrich Knufinke:
Ulrich Knufinke ist Leiter der Abteilung Baudenkmalinventarisation und landesweite Spezialgebiete im Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege. Er studierte Architektur und Germanistik an der Technischen Universität Braunschweig, wo er 2005 promoviert wurde. 2014 folgte die Habilitation an der Universität Stuttgart. Neben seiner Tätigkeit am NLD lehrt Knufinke derzeit als Privatdozent an der TU Braunschweig, wo er wissenschaftlicher Leiter der Bet Tfila – Forschungsstelle für jüdische Architektur in Europa ist.