Neues Altern in der Stadt (NAiS)
Das Projekt in der Gemeinde Stuhr
Einleitung und Rückblick
Das Projekt ‚Neues Altern in der Stadt' (NAIS) ist ein Vertiefungsschwerpunkt innerhalb des Projektes Aktion Demographischer Wandel der Bertelsmann Stiftung. Es stellt gleichzeitig eine Weiterentwicklung des Projektes „Leben und Wohnen im Alter" dar, dass bereits erfolgreich von der Bertelsmann Stiftung durchgeführt wurde. Des Weiteren wurden Ergebnisse der laufenden Arbeit der Expertenkommission „Ziele in der Altenpolitik" der Bertelsmann Stiftung bei der Projektkonzeption berücksichtigt.
Die Bertelsmann Stiftung führt gemeinsam mit den sechs Pilotkommunen Altena, Bruchsal, Eschwege, Glauchau, Hamm und Stuhr eine Analyse-, Aktions- und Abschlussphase durch, die durch die Bertelsmann Stiftung im Prozess begleitet, gesteuert und evaluiert wird.
Die bis Ende 2006 dauernde Analysephase enthielt eine Bestandsaufnahme der seniorenrelevanten Daten sowie die Sichtung und Priorisierung der jeweiligen kommunalen Problemlagen.
In der Analysephase kamen auch verschiedene partizipative Methoden zur Anwendung, mit denen die Kommunen ihre individuellen kurz-, mittel- und langfristigen Ziele kommunaler Seniorenpolitik und -arbeit ermitteln. Hierbei reicht die zeitliche Perspektive von der Gegenwart bis in das Jahr 2020.
Analysephase in der Gemeinde Stuhr
Zu Beginn der Phase wurde in der Gemeinde Stuhr ein Initiativkreis NAIS gebildet. In einem zweitägigen Workshop mit dem Initiativkreis wurden zunächst Altersbilder und Konzepte über das Altwerden der Teilnehmer in Bezug auf die Gegenwart und die Zukunft erfragt. Unter der Überschrift „Wenn man älter ist, dann..." bzw. „Ein älterer Mensch wird in Zukunft..." nannten in der Einführungsphase die Teilnehmer positive und negative Zuschreibungen für das Alter. Anschließend wurden unterschiedliche Themenkomplexe auf die kommunale Situation bezogen. Kleingruppen gingen der Frage nach, welche Rolle aktive, mobile, leistungsfähige Seniorinnen und Senioren in der Gemeinde zukünftig spielen und was für diese im Hinblick auf die anwachsende Anzahl Älterer charakteristisch sein sollte.
In der sich anschließenden Konkretisierungsphase wurde überprüft, welche Merkmale und Kriterien die Gemeinde und deren Gemeindeteile aufweisen sollten, wenn sie als „altengerecht" gelten wollten, und anschließend überprüft, in welchen Lebensbereichen von älteren BürgerInnen selbstständig Ideen verwirklicht und umgesetzt werden könnten.
Aus diesem Verfahren wurden folgende Problembereiche für die Gemeinde Stuhr herausgearbeitet:
- Unzureichende Anbindung an den ÖPNV
- Unpassende Wohnformen
- Die Ländergrenzen (Niedersachsen/Bremen) bei der medizinischen Versorgung
- Versorgung mit den Waren des täglichen Bedarfs (Lebensmittel etc.)
- Abwanderung von Senioren in die benachbarte Großstadt (Bremen)
- Kein Stadtzentrum/Ortskern
- Keine Gemeindeidentität
- Die Position der Gemeinde innerhalb des Landkreises sowie die wirtschaftliche Situation des Landkreises
Zwei Seniorenexperten-Workshops wurden durchgeführt. Der erste Workshop hatte die Zielrichtung, künftige Anforderungen an die Stadt und an die kommunale Politik von Seiten der Generation „55+" zu formulieren. Problem- und Konfliktfelder aus dem Leitbildworkshop wurden hier zum Teil wieder aufgegriffen und methodisch weiter bearbeitet. In einem zweiten Schritt eruierten die Akteure die kommunalen Anforderungen.
Im zweiten Workshop wurden die Problem-/Konfliktfelder sowie Anforderungen ausgewertet und daraus resultierende Schlussfolgerungen gezogen. Neben der Einbindung und Bündelung der Ergebnisse aus dem ersten Workshop stand vor allem die Darstellung der Zwischenergebnisse vorangegangener kommunaler Datenerhebungen im Vordergrund. Diese sollten das Leitbild quantitativ anreichern und vorhandene Datenlücken aufzeigen.
Vor dem Hintergrund, Tätigkeitsfelder zu identifizieren und reale Projekte zu initiieren, die möglichst eigenständig im Rahmen von Bürgerengagement und Selbstorganisation durchgeführt werden sollten, wurde in Stuhr eine zweitägige „Open-Space-Konferenz" durchgeführt. Die Veranstaltung war so konzipiert, dass zunächst in einer freien Kreativphase verschiedene Ideen gesammelt wurden. Diese wurden dann in einer zweiten Phase hinsichtlich Projektthemen mit dem Ziel konkretisiert, diese in Arbeitsgruppen selbstständig umzusetzen. Folgende Projektideen wurden für Stuhr entwickelt:
- Neue Wohnformen in neuen Quartieren
- Infopool und Anlaufstelle
- Mehrgenerationenprojekt „...von 0 auf 100"
- Neue Transportwege/Bürgerbus
- Die mobile „Tante Emma"
- Einen Park für jeden Stadtteil
In dem darauf folgenden Koordinierungstreffen sollten die Arbeitsgruppen der Projektideen ihre Zwischenergebnisse darstellen und aufzeigen, welche Unterstützung sie auch seitens der Kommune benötigten.
Darüber hinaus wurde auf diesem Treffen die Schwerpunktsetzung für die Aktionsphase im Jahr 2007 vorgestellt. Auf Grundlage der Ergebnisse der Analysephase hat die Bertelsmann Stiftung zwei zentrale Themenfelder für die zukünftige Seniorenpolitik in der Gemeinde Stuhr identifiziert: 1. die Anpassung und Weiterentwicklung der kommunalen und sozialen Infrastruktur und 2. die Anpassung und Weiterentwicklung von Wohnformen für die Gemeinde.
Gemeinsam mit dem Bürgermeister der Gemeinde Stuhr wurde das Thema ‚Leben und Wohnen' als Schwerpunkt für die Aktionsphase im Jahr 2007 ausgewählt.
Begründung:
- In den in der Analysephase im Projekt NAIS durchgeführten Veranstaltungen (Leitbildworkshop, Senioren-Experten-Workshops, Open Space Konferenz) wurde aus Sicht der beteiligten Bürger das Thema Wohnen im Alter und notwendige Anpassungen der Infrastruktur an die Bedürfnisse der wachsenden Zahl älterer Gemeindemitglieder als zentrale Herausforderungen identifiziert.
- Die Analyse der relevanten Daten hat folgende zentrale Befunde ergeben:
a. Im Vergleich der bundesdeutschen Kommunen, aber auch im Vergleich zum Bundesland Niedersachsen sowie zum Landkreis Diepholz, ist die Gemeinde Stuhr in einer günstigen Position, so ist zum Beispiel die wirtschaftliche und finanzielle Situation der Gemeinde und der in der Gemeinde lebenden Bürger vergleichsweise positiv. Auch die kurz- und mittelfristigen Prognosen können als vergleichsweise positiv charakterisiert werden.
b. Analysiert man die demographischen Prognosen, zeigt sich allerdings eine deutliche Veränderung in der Altersstruktur der Gemeinde, so wird bis zum Jahr 2040 fast eine Verdopplung des Anteils der Bürger, die 80 Jahre und älter sind, prognostiziert. Gerade in dieser Altersgruppe ist mit einem erhöhten Hilfs- und Pflegebedarf zu rechnen.
c. Die acht Gemeindeteile von Stuhr unterscheiden sich stark in ihrer Bewohner-, Bau- und Siedlungsstruktur. Durch diese heterogene Struktur sind differenzierende Entwicklungen wahrscheinlich. Für ein demographiefestes und nachhaltiges Gesamtkonzept ist in Folge dessen eine kleinräumige Bestandsaufnahme der derzeitigen und zukünftigen Bedarfe und Bedürfnisse erforderlich.
Konzept für die Aktionsphase in der Gemeinde Stuhr
Die Aktionsphase im Projekt NAIS in der Gemeinde Stuhr gliedert sich in drei Bereiche:
- Schwerpunktthema ‚Leben und Wohnen im Alter' in der Gemeinde Stuhr;
- Begleitung der Projektgruppe 1 ‚Neue Wohnformen in neuen Quartieren';
- Begleitung der weiteren Projektgruppen 2 bis 6.
Das Thema ‚Leben und Wohnen im Alter' bildet den inhaltlichen Schwerpunkt der Aktionsphase in der Gemeinde Stuhr.
ZurückDrucken


