Ende der Ausstellung „The ancestors don’t have to be ghosts“
Eröffnung der Abschlussausstellung der Stipendiatin Nevena Savić© Nevena SavićNevena Savić arbeitet interdisziplinär mit Installation, Video, Text und Recherche. In ihren Arbeiten verbindet sie persönliche Erzählungen mit politischen und historischen Zusammenhängen und untersucht, wie sich Macht in Materialien und alltäglichen Gesten einschreibt. Mit „the ancestors don't have to be ghosts“ zeigt Nevena Savić Arbeiten, die sich mit kolonialer Einflussnahme in Bosnien, mit dem Weben von Ćilim Teppichen, sowie mit diasporischer Erfahrung als Gleichzeitigkeit auseinandersetzen.
Im Zentrum der Ausstellung steht die Arbeit „Vučija Usta / Wolf Mouth“. Ein Webrahmen mit einem fragmentarisch angedeuteten Ćilim-Teppich verweist auf die Geschichte des Teppichwebens in Bosnien während der Habsburger Besatzung. Traditionelle Handwerkspraktiken wurden damals verändert und für koloniale Repräsentation genutzt: Aus dörflicher und gemeinschaftlicher Produktion von Teppichen entstanden urbane Webereien, die für westliche Märkte und Weltausstellungen produzierten. Muster wurden angepasst, Bedeutungen verschoben und kulturelle Praktiken exotisiert. Ausgangspunkt der Arbeit ist das Symbol des Wolfsmauls – ein Motiv, das sowohl Furcht, als auch Schutz und Stärke verkörpert. Ergänzt wird die Installation durch eine dreisprachige Performance.
Die Ausstellung „The ancestors don’t have to be ghosts“ von Nevena Savić© Nevena SavićEine zweite Arbeit beschäftigt sich mit Stećci – mittelalterlichen Grabsteinen in Bosnien und der umliegenden Region. Ein gegossenes Betonobjekt liegt auf dem Boden, darauf ruhen Glasbuchstaben. Sie formen einen Satz aus einer historischen Grabinschrift ins Englische übersetzt: „And I beg you, do not step onto me, for I was as you are and you will be as I am.“ Unter den Buchstaben zeichnen sich in den Beton gefräste Verläufe von Grenzflüssen ab – Flüsse entlang heutiger Außengrenzen Europas auf der Balkanroute.
Die dritte Arbeit widmet sich einer gehäkelten Tischdecke, die der Künstlerin von ihrer Großtante übergeben wurde. Die Decke hängt frei im Raum; darauf wird ein Video projiziert, das während eines Videotelefonats zwischen den beiden entstand. Die Arbeit erzählt von Nähe über Distanz hinweg, von alltäglichen Gesten der Fürsorge und von einem Wissen, das nicht in Worten, sondern in Handlungen weitergegeben wird. Sie macht sichtbar, wie Erinnerung nicht nur in Geschichten, sondern auch in Gesten, Materialität und Beziehungen weitergetragen wird.
Die Publikation „to work from simultaneity“, die gemeinsam mit befreundeten Künstler*innen entwickelt wurde, thematisiert das künstlerische Arbeiten aus diasporischer Perspektive. Ausgangspunkt ist der Gedanke, Diaspora nicht als Zustand des „Dazwischen“, sondern als Erfahrung von Gleichzeitigkeit zu verstehen – als ein Nebeneinander von Geschichten, Orten, Sprachen und Zugehörigkeiten.
Nevena Savić hat Politikwissenschaften und Freie Kunst in Bremen studiert, ihre Arbeiten waren unter anderem auf dem Sarajevo Film Festival, dem Max Ophüls Preis und der städtischen Galerie in Bremen zu sehen. Im letzten Jahr war sie Fellow der WHW akademija in Zagreb.
Die Ausstellung wird bis zum 07.06.2026 gezeigt.
Öffnungszeiten:
Samstags 15.00 – 18.00 Uhr
Sonn- und feiertags 11.00 – 18.00 Uhr
Eintritt frei.
Rubrik
Kunst / Kunstausstellungen
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